Anmeldung

Was Sie nach einem Verkehrsunfall beachten sollten!

1. Wen müssen Sie nach einem Verkehrsunfall informieren?

Ihre eigene Kfz-Haftpflichtversicherung müssen Sie innerhalb einer Woche schriftlich unter Angabe des Namens und der Anschrift des Unfallbeteiligten nebst kurzer Unfallschilderung informieren, auch wenn Sie meinen, nicht an dem Unfall schuld zu sein. Der Tod eines Unfallbeteiligten ist sogar innerhalb von 48 Stunden anzuzeigen.

Bei einem selbstverschuldeten Unfall kann es sich empfehlen, geringfügige Sachschäden am Fahrzeug des Unfallgegners ohne Inanspruchnahme der Versicherung selbst zu regulieren, um sich den Schadenfreiheitsrabatt zu erhalten. Sollte eine gütliche Einigung mit den anderen Beteiligten dann trotzdem nicht gelingen, müssen Sie den Schaden bis spätestens zum Ende des Kalenderjahres nachträglich Ihrer Versicherung melden. Sie können aber auch den Unfall von vornherein Ihrer Versicherung anzeigen und später den von dieser gezahlten Entschädigungsbetrag erstatten. Ihr Schadenfreiheitsrabatt bleibt Ihnen dann erhalten.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners sollten Sie ebenfalls rasch, spätestens binnen 14 Tagen, informieren. Möglicherweise können Sie bei klarer Schuldfrage schon jetzt eine Abschlagzahlung erhalten, um die Reparatur Ihres Wagens zu finanzieren.

2. Müssen Sie weitere Stellen informieren?

Denken Sie z.B.

  • bei Verletzungen an Ihre Krankenversicherung und gegebenenfalls die Insassenunfallversicherung
  • bei Arbeitsunfällen an die Berufsgenossenschaft
  • an Ihre Rechtsschutzversicherung und Ihre Kaskoversicherung

Vergessen Sie bei Verletzungen auch Ihren Arbeitgeber nicht.

3. In welchen Fällen können Sie Ihren Schaden vom Unfallgegner bzw. dessen Haftpflichtversicherung ersetzt verlangen?

Schadenersatz können Sie nur verlangen, wenn der Unfallgegner am Unfall schuld ist oder wegen der Betriebsgefahr seines Fahrzeuges haftet. Gegebenenfalls müssen Sie mit einer Minderung Ihres Anspruchs wegen der Betriebsgefahr Ihres Fahrzeuges oder wegen Mitverschuldens rechnen, es sei denn, der Unfall war für Sie auch bei Beachtung der größtmöglichen Sorgfalt nicht vermeidbar.

4. Welche Schäden sind zu ersetzen?

Grundsätzlich sind Ihnen alle materiellen (jede wirtschaftliche Einbuße) und immateriellen Schäden (Schmerzensgeld bei Personenschäden) zu ersetzen:

Zunächst haben Sie selbstverständlich Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten für Ihr Fahrzeug. Sie müssen allerdings diese Kosten möglichst gering halten (Stichwort: Schadensminderungspflicht). Soweit mehr als nur ein Bagatellschaden vorliegt, empfiehlt es sich, einen Kfz-Sachverständigen einzuschalten. Den Sachverständigen können Sie selbst auswählen. Die Gutachterkosten hat Ihnen im Regelfall die gegnerische Versicherung zu ersetzen, soweit es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt. Die Entscheidung darüber, bei welcher Schadenhöhe die Bagatellschadengrenze überschritten ist, kann nicht eindeutig getroffen werden. So erachten einzelne Amtsgerichte eine Grenze von 750,00 € für die Einholung eines Gutachtens als angemessen.

Von der Werkstatt sollten Sie sich für die Reparatur eine detaillierte Rechnung geben lassen, die Sie der Versicherung des Unfallgegners vorlegen können.

Bei einem Fahrzeug (bis zu 5 Jahren) können Sie bei schweren Schäden neben den Reparaturkosten auch Ausgleich der Wertminderung (=Differenz des Fahrzeugwertes vor und nach dem Unfall) verlangen. Für die Höhe der Wertminderung kommt es vor allem auf das Alter des Fahrzeuges; die bisherige Fahrleistung, die Art der Beschädigung und die Reparaturkosten an.

Einen Neuwagen können Sie verlangen, wenn Ihr Fahrzeug praktisch fabrikneu war und erheblich beschädigt worden ist. Sie können dann Ihren alten Wagen in Zahlung geben und erhalten die Differenz zum Kaufpreis für den Neuwagen ausbezahlt. Unter Umständen müssen Sie einen gewissen Abschlag für die bisherige Nutzung des Unfallfahrzeuges einkalkulieren.

Im Falle eines Totalschadens (=die Kosten der Instandsetzung übersteigen den Zeitwert des Wagens vor dem Unfall erheblich, in der Regel um 30%) erhalten Sie grundsätzlich das Geld für die Wiederbeschaffung eines gleichwertigen Ersatzwagens.

Dabei ist folgendes zu beachten:

Der Wiederbeschaffungswert ist nach ganz herrschender Meinung der Wert, den der Geschädigte für ein vergleichbares Fahrzeug bei einem seriösen Kfz-Händler der Region aufwenden müßte. Gebrauchtfahrzeuge des Kfz-Handels werden üblicherweise als so genannte differenzbesteuerte Fahrzeuge gemäß § 25 a UStG angeboten. Nach Branchenauskünften kann davon ausgegangen werden, dass mindestens 75% der im Gebrauchtwagenhandel angebotenen Fahrzeuge differenzbesteuert sind, demnach die Differenzbesteuerung den Regelfall im Gebrauchtwagenhandel darstellt. Insoweit ist davon auszugehen, dass in dem im Gutachten vermerkten Wiederbeschaffungswert lediglich ein Mehrwertsteueranteil im Bereich der üblichen Differenzbesteuerung enthalten ist. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass im Falle einer fiktiven Schadenabrechnung die Versicherung nicht die 16% Mehrwertsteuer vom Wiederbeschaffungswert abzieht.

Des Weiteren findet kein Abzug der Mehrwertsteuer vom Wiederbeschaffungswert statt, wenn es bei dem verunfallten Fahrzeug um ein älteres Fahrzeug (Erstzulassung über 6 Jahre vor dem Unfall) handelt, das nahezu ausschließlich auf dem privaten Gebrauchtwagenmarkt angeboten wird.

Die Kosten für einen Mietwagen entsprechend der Klasse Ihres Fahrzeuges für die Zeit der Reparatur oder bis zum Kauf eines neuen Fahrzeuges sind in der Regel zu ersetzen. Sie müssen diese Zeit allerdings so kurz wie möglich halten und auf einen günstigen Mietwagentarif achten (Stichwort: Schadensminderungspflicht). Bei einer möglichen Inanspruchnahme eines Mietwagens für die Dauer der Reparatur sollten Sie aber zur Vermeidung der Anrechnung ersparter Eigenkosten durch die Haftpflichtversicherung darauf achten, dass Sie sich ein Mietfahrzeug aussuchen, das maximal zwei Fahrzeugklassen niedriger einzustufen ist, als Ihr unfallbeschädigtes Fahrzeug. Wenn Sie keinen Mietwagen nehmen, haben Sie für die Dauer der Reparatur bzw. Wiederbeschaffung Anspruch auf Nutzungsentschädigung. Die Höhe richtet sich nach entsprechenden Tabellen.

Auch wenn Sie den Schaden nicht beheben lassen oder die Reparatur selbst ausführen, können Sie den Betrag verlangen, den die Reparatur in einer Werkstatt kosten würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in diesen Fällen keine Mehrwertsteuer erstattet wird. Diese wird nur dann von den Versicherungen gezahlt, wenn und soweit sie tatsächlich angefallen ist.

ACHTUNG!! Wenn Sie nicht vollen Schadenersatz beanspruchen können, müssen Sie entsprechend Ihrer Mithaftungsquote insoweit einen Teil der Reparatur-, Sachverständigen-, Mietwagenkosten und Rechtsanwaltsgebühren (s.u.) selbst bezahlen.

Bei Personenschäden haben Sie außerdem Anspruch auf Schmerzensgeld. Die Höhe ist abhängig von der Schwere der Verletzungen und den daraus folgenden Beeinträchtigungen für Ihr Leben.

Weitere Kosten, die im Falle von Personenschäden entstehen können, wie z.B. Heilungskosten, Verdienstausfall und Erwerbsminderung werden häufig von den eigenen Versicherungen (Krankenkasse, Berufsunfallversicherung etc.) oder von Ihrem Arbeitgeber (Lohnfortzahlung) getragen. Von der Haftpflichtversicherung zu ersetzen sind hier aber z.B. Kosten für die Zuzahlung von Arznei- und Verbandsmitteln, notwendige Fahrtkosten zu Ärzten oder Therapeuten, Haushaltsführungsschaden und ähnliches.

5. Brauchen Sie einen Rechtsanwalt?

Bei schweren Unfällen mit Personenschäden oder der Gefahr strafrechtlicher Sanktionen sowie in Zweifelsfällen, z.B. bei unklarer Schuldfrage, empfiehlt sich auf jeden Fall die Einschaltung eines Rechtsanwalts. Aber auch in einfach gelagerten Fällen können und sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt wenden.

Die Rechtsanwaltsgebühren müssen Ihnen von der gegnerischen Versicherung erstattet werden, soweit sich die geltend gemachten Ansprüche als berechtigt erweisen.

Andere Kosten müssen Sie in der Regel selbst tragen, wenn Sie nicht verkehrsrechtsschutzversichert sind. Haben Sie nur ein geringes Einkommen, erhalten Sie Beratungshilfe. Beratungshilfescheine erhalten Sie bei Ihrem Amtsgericht.

Die Einschaltung eines Rechtsanwaltes nach einem Unfall führt zu erheblichen Vorteilen. Der Rechtsanwalt führt die gesamte teilweise zeit- und kostenaufwendige Korrespondenz mit der Versicherung des Unfallverursachers und ist Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer berechtigten Ansprüche behilflich. Er wird dafür Sorge tragen, dass Ihre Ansprüche in voller Höhe und schnellstmöglich durchgesetzt werden.